ZUM BLOG

Ein Gespräch mit Thomas Binggeli, dem Erfinder des E-Bikes Stromer

Umsteigen auf eine neue urbane Mobiliät: Der neue Spass von A nach B oder wie Innovationen die Welt verändern

Auf den Strassen war kein Vorwärtskommen mehr, die Kreuzungen waren überall blockiert, die Parkhäuser allesamt besetzt, und als ich schon dachte, er würde den Termin platzen lassen, stand er vor mir, mit einem breiten Lächeln: Der Verwaltungsratspräsident kam doch tatsächlich mit seinem E-Bike nach Zürich, und er war pünktlich. Seinen Stromer parkte er direkt am Eingang vor dem noblen Schweizerhof, Stress kenne er nicht, pünktlich von A nach B zu gelangen sei eine Sache der Organisation, mache mit positiver Einstellung sogar Spass. Er, er ist Thomas Binggeli, der Vater des Stromers, der Mann, der die urbane Mobilität verändert hat, ihr eine neue Zukunft verleiht.

Im Gespräch erzählt Thomas Binggeli, wie der Mensch in der Uniformität der urbanen Mobilität seinen ganz individuellen Weg zu finden vermag und wie die Welt mit Stromer in naher Zukunft aussehen wird.
Stromer urbane Mobilität
Die urbane Mobilität hat sich in den vergangenen zwei Generationen drastisch verändert.
Stromer urbane Mobilität
Erleben Sie den neuen Stromer ST2-S

Es braucht sie, die Bewegungsfreiheit, geistig und physisch

Die urbane Mobilität habe sich in den vergangenen zwei Generationen drastisch verändert. Die früher gelobte Freiheit wich geordneten Weisungen, zum einen sind dies Empfehlungen, zum anderen verpflichtende Gebote. Die Wege von A nach B wurden zwar dauernd ausgebaut, auch bequemer, aber nicht unbedingt schneller, und sie verloren an Reiz. Dazu kamen neue Technologien, die eines nach dem anderen automatisierten, und es scheint so, als würde der Mensch von A nach B geschleust, er muss sich nicht mehr ans Ziel bewegen. Bewegung sei allerdings ein zentrales Bedürfnis des Menschen, man spreche ja auch von Bewegungsfreiheit, und die sei sowohl geistig wie physisch gemeint.  Man könne sich heute durchaus von A nach B bewegen lassen, sei dies sitzend oder stehend in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder in einem individuellen Fahrzeug, das nach rigorosen Gegegebenheiten mit automatischer Spur- und Abstandssensorik dem vorderen Gefährt folge. Toll. Man könne auch zu Fuss gehen oder mit dem Velo fahren, das wäre sportlich, dagegen spreche allerdings vielmals die Bequemlichkeit oder die Distanzen dafür seien zu gross. 

Thomas Binggeli, der Erfinder des STROMER E-Bikes
Thomas Binggeli, der Erfinder des STROMER E-Bikes

Das Umdenken begann in den Nullerjahren

Ein Umdenken fand eigentlich erst in den Nullerjahren statt, als aus anfänglich ulkig aussehenden Velos mit Elektro-Hilfsmotor E-Bikes mit akzeptabler Motor- und Akkuleistung wurden. Den Durchbruch schaffte als erste Marke Stromer: Technik, Qualität und Fahrverhalten überzeugten, das Design weckte Begehrlichkeit, wer Stromer fuhr, genoss Sonderstatus. Das war 2009. Stromer wurde zur Premiummarke, eroberte schon zwei Jahre später mit dem Folgemodell ST1 den europäischen Markt und expandierte in die USA. Und seit 2014 sind die Stromer mit dem ST2 die weltweit ersten digital vernetzten E-Bikes. Mit der Stromer App können via Handy Leistungs- und Wartungseinstellungen vorgenommen und das Bike ferngesteuert gesperrt und entsperrt werden, bei Diebstahl beginnt das Bike zu blinken, der Motor wechselt in den Verweigerungsmodus, das Fahren wird nahezu unmöglich und das eingebaute GPS meldet via App den jeweiligen Standort. 

Mit E-Bikes hat die Schweiz einen Vorsprung von drei bis fünf Jahren

E-Bikes sind in der urbanen Mobilität Teil des Systems geworden. Die Schweiz habe auf diesem Gebiet gegenüber anderen Ländern einen Vorsprung von drei bis fünf Jahren. Stromer wird dabei eine Leaderrolle übernehmen, sie seien die ersten gewesen, die Funktionalität, Technik und Design konsequent umgesetzt und stetig weiterentwickelt haben. Es sei schön, zu sehen, wie Stromer anderen Marken als Vorbild diene und in vielen Details ständig kopiert werde, gegenüber direkten Mitbewerbern habe Stromer aber einen komfortabeln Vorsprung.Die Zukunft der E-Bikes sei im urbanen Verkehr die sogenannt erste und letzte Meile, das sind Wegstrecken zwischen zwei und zwanzig Kilometern von Tür zu Tür. In anderen Ländern und den USA, wo man derzeit verstärkt Fuss fasse, seien diese Distanzen etwas grösser. Genau dafür sei das E-Bike konzipiert und schon heute das effizienteste, schnellste und komfortabelste Transportmittel. Und, das sei besonders wichtig: Es gewährleiste das, was man individuelle Bewegungsfreiheit nennt, man fahre nicht nur vernünftig von A nach B, es mache Freude, jedes Mal von neuem. In der Freizeit machen mit dem E-Bike auch Touren mit weit über 100 km Spass, selbst solche mit extremen Höhendifferenzen, die Rekuperationstechnik lade bei Talfahrten den Akku jeweils wieder auf.

Die Stromer App wird das Flottenmanagement revolutionieren

Obwohl heute Reichweite, Power und Sicherheit den Anforderungen mehr denn genügen würden, entwickle man ständig weiter, sei es an Speicherleistung des Akkus, den Komponenten des Antriebs oder an der Vernetzung intelligenter Elektronik und Sensorik. Künftig wird ein Stromer zum Beispiel die unterschiedliche Trittfrequenz und Kraft von linkem und rechten Bein ausgleichen können, das Drehmoment bei Geradeausfahrt oder Neigung in Kurven automatisch anpassen. Die Stromer App wird über Funktionen wie iCloud einen Diebstahl gänzlich unmöglich machen, Service- und Wartungseinstellungen nochmals optimieren und das System eines Flottenmanagements revolutionieren.

Für Thomas Binggeli ist Stromer ein Think tank, in dem nicht nur das Produkt entwickelt und danach verkauft wird. Für ihn ist Stromer Mobilität. Mobilität als Teil eines ganzen Systems, bei dem der Mensch im Zentrum steht, und mit ihm auch die Umwelt, der es in Zukunft Sorge zu tragen gilt. Da gehe es um Nachhaltigkeit, um den sinnvollen Umgang mit den Ressourcen, den intelligenten Einsatz von Material oder sauberem Strom. Stromer sei darum ebenso mit anderen Pionieren revolutionärer Projekte gut vernetzt, eines davon ist Solar Impulse. Das sei auch gut so. Man tausche sich aus und profitiere von neuen Erkenntnissen anderer.

Auf dem Weg zum nächsten Termin liess Thomas Binggeli beim Start an der Ampel die übermässig motorisierten Wagen in der ersten Reihe alt aussehen. Mit seinem Stromer wird er zwar nicht wie sein Freund Bertrand Piccard die ganze Welt umrunden, aber sein Stromer wird künftig überall fahren, auf der ganzen Welt.

 

Text: Thomas Gysin, Zürich
Bilder: Micha Riechsteiner, Worb; Stromer

ZUM BLOG